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Killer App gekillt?

Erneute Ansätze zur Einführung von Open Source in der Bundesrepublik Deutschland

Vielleicht haben Sie schon einmal den Ausdruck „Killer App“ gehört – gemeint ist damit, jedenfalls sehr oft, das Programm „Outlook“. Dieses Programm, besonders in der Version „Outlook Exchange Server“, wurde in vielen Firmen unverzichtbar, weil es die Terminplanung, Adressverwaltung und Kommunikation vereinheitlicht.

Diese Unverzichtbarkeit führte bei hunderten von Millionen Anwendern dazu, dass andere Betriebssysteme als Microsofts „Windows“ ™ eben einfach nicht in Frage kamen. Der Umstieg auf jedes andere System wurde dadurch „gekillt„.

Trotz gewisser Probleme, insbesondere bei der Datensicherheit, war das Programm, das sich hauptsächlich in Firmen etablierte, lange Marktführer. Gegenkonzepte wie „Mail“ von Apple oder „Evolution“ in Linux konnten Microsoft diesen Trumpf einfach nicht abnehmen.

Andere „Killer Apps“ waren häufig jene liebgewonnene Expertensysteme, an das sich eine Belegschaft oder ein Unternehmer einfach gewöhnt hatten und die eben für andere Betriebssysteme als Microsoft schlicht nicht hergestellt wurden. Auch dadurch konnte eine echte Wahl des Betriebssystems gar nicht getroffen werden – Microsofts System hatte somit ein Quasi-Monopol.

Mit dem Erstarken des Web 2.0 bröckelte diese Vorherrschaft, denn mehr und mehr Anwendungen wurden ins Netz ausgelagert. Statt dagegen anzukämpfen, begann Microsoft, auf das Konzept der „Cloud“ zu setzen. Anwender sollten Software „als Service“ (SAAS) nutzen und nicht mehr einmal, sondern eben ewig zahlen. Zusätzlich hatte der Konzern uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Nutzerdaten, da die Nutzer eben gleich von Anfang an auf den Computern der Firma Microsoft arbeiteten und ihre Daten auch dort speicherten.

Mit den Kriegen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine sowie den vereinigten Staaten und Iran – ab 2022 – war die Globalisierung der Welt technisch, politisch und wirtschaftlich erschwert oder verunmöglicht worden.

Der „Westen“ war plötzlich kein einheitlicher Block mehr – das betraf auch die Daten der Bevölkerung sowie der Wirtschaftsunternehmen.

Im Jahre 2026, unter dem Eindruck der immer größeren Unsicherheit in der NATO, begann ein Umdenken in Europa. Plötzlich wollte Europa auch mit seinen IT-Infrastrukturen selbständiger werden, so wie es dies auch diplomatisch und militärisch versuchte. Die staatliche Logik war es, so auch den US-amerikanischen Gesetzen über den Zugriff auf Cloud-Server zu entgehen.

Ab diesem Moment begann wieder eine Umkehr, ein Suchen nach größerer Selbständigkeit. Freie Systeme wie LINUX und andere Open Source Software gerieten wieder ins Rampenlicht. Es waren tatsächlich zwei Kriege notwendig gewesen, um das Monopol der „Killer Apps“ zu erschüttern.


In Deutschland hat all dies konkrete Folgen im Jahr 2026:

Insgesamt gewinnt das ODT-Format in der Bundesrepublik stark an Bedeutung. Die Behörden setzen auf eine Digitalwende: Der IT-Planungsrat hat beschlossen, das Open Document Format (ODF) zum verbindlichen Standardformat für den Dokumentenaustausch in der öffentlichen Verwaltung zu machen.

Digitale Souveränität

Das Format soll den Staat unabhängig von proprietären Herstellern (wie Microsoft) machen und die Langzeitarchivierung sowie Sicherheit staatlicher Dokumente gewährleisten.

Deutschland-Stack: Im Rahmen der neuen Strategie für die föderale IT und Cloud-Lösungen ist ODF ein essenzieller Baustein.

In Schleswig-Holstein verabschiedet die Landesverwaltung sich von Microsoft. Die Behörden-IT umfasst 60.000 Computer, 44.000 Postfächer, 110.000.000 E-Mails jährlich, dazu die digitale Terminverwaltung. Diese Gesamtstruktur soll migrieren und in Open-Source übertragen werden. LibreOffice ersetzt Microsoft Office, Thunderbird Outlook, Linux Windows, Firefox ersetzt Edge.

Der spezifische Grund ist der US Cloud Act. Das Gesetz verpflichtet US-Anbieter, Daten auf Anfrage der US-Regierung herauszugeben – ganz gleich, wo die Server stehen. Finanz-, Verwaltungs- und Justizdaten waren betroffen. Jährlich werden so über € 15.000.000,- gespart.

Den nur einmal entstehenden Migrationskosten von € 9.000.000,- stehen ständige Einsparungen gegenüber. Demnach würde sich das Konzept bereits im ersten Jahr amortisieren. Ähnliche Überlegungen gibt es in Baden-Württemberg.


Quellen:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/CLOUD_Act

ntv.de

https://www.n-tv.de/politik/Was-wir-gerade-machen-ist-einzigartig-id30900768.html

https://www.n-tv.de/regionales/hamburg-und-schleswig-holstein/Schroedter-sieht-Herausforderungen-bei-Open-Source-Umstellung-id30202713.html

IT-Planungsrat https://www.it-planungsrat.de/fileadmin/it-planungsrat/der-it-planungsrat/foederale_digitalstrategie/250513_IT_PLR_Foerderale_Digitalstrategie_Zukunftsbild_Leitlinien.pdf

heise online

https://www.heise.de/hintergrund/Deutschland-Stack-Mit-ueber-50-offenen-Standards-zur-souveraenen-Verwaltung-11225614.html

Linux News: https://linuxnews.de/odf-fuer-die-oeffentliche-verwaltung-in-deutschland-vorgeschrieben/

Danke an den facebook Account Martin Jendrischik (Info für die Auswirkungen in Deutschland)